Gesundheitsratgeber


03. April 2006

Zeckenstiche - eine nicht zu unterschätzende Gefahr in der Natur!

 

Auftreten und Verbreitung

Sobald sich im Frühling der Schnee zurückzieht und die ersten warmen Tage sich ankünden, sind sie wieder aktiv – die Zecken (auch "Holzbock" genannt). Sie leben bevorzugt in Wäldern mit reichlich Unterholz, in Waldlichtungen und Waldrändern, kommen jedoch auch in Wiesen und Gärten vor und sind entlang von Waldwegen zu finden. Sie klettern an Gräsern oder an Gebüschen bis etwa in eine Höhe von einem Meter empor und warten teilweise tagelang geduldig auf ein Opfer. Sei es Tier oder Mensch, die Zecke klammert sich an alles, was vorbeistreift  oder lässt sich zuweilen auch auf ein Opfer fallen. In der Folge krabbeln sie mit ihren vier Beinpaaren auf der Haut im Haarboden oder Fell und suchen sich eine geeignete Stelle zum Blutsaugen. Diese finden sich vorzugsweise in den Kniekehlen in der Schamgegend oder im Bereich der Achselhöhlen, jedoch kann die Zecke beinahe überall auf der Haut stechen. Die Karten der Verbreitungsgebiete in der Schweiz finden sie hier!

 

Risiken des Zeckenstichs

Der Zeckenstich an und für sich ist eigentlich nicht gefährlich. Selten kann sich sekundär ein Infekt im Bereich der Einstichstelle bilden, dabei rötet sich die Haut und es muss gelegentlich antibiotisch behandelt werden. Ebenfalls sollte die Aktualisierung der Starrkrampfimpfung nicht vergessen werden.

Probleme infolge eines Stiches sind dann zu erwarten, wenn die Zecke durch Krankheitserreger in Form von Viren oder Bakterien befallen ist:

  • Frühsommer-Meningo-Encephalitis (FSME): Die virale Erkrankung, auch FSME-Erkrankung bezeichnet, verläuft typischerweise in zwei Phasen, wobei infizierte Personen in der ersten Phase gelegentlich über grippeähnliche Krankheitszeichen klagen. Dabei dominieren Müdigkeit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, selten auch Magen-Darm-Beschwerden. Teilweise verläuft die erste Phase aber auch vollständig symptomlos. Bei den meisten Personen ist danach die Virusinfektion überstanden. Allerdings kommt es nicht selten nach ca. einer Woche zur zweiten, sehr ernsthaften Krankheitsphase (in ca. 5-10%) wobei es zum Befall der Hirnhäute, des Gehirns und Rückenmarks kommt. Es manifestieren sich starke Kopfschmerzen, Lichtscheu, Erbrechen und Nackensteifigkeit. In der Folge entwickeln sich häufig Lähmungen, Sprachstörungen und selten kommt es auch zu Todesfällen. Sehr häufig sind bleibende Leiden wie Konzentrationsstörungen, dauerhafte Kopfschmerzen und Lähmungen.

  • Lyme-Borreliose: Auch die Lyme-Borreliose verläuft in mehreren Stadien. Innerhalb einer bis acht Wochen nach Zeckenstich entwickelt sich im Bereich der Stichstelle eine Rötung, die sich schnell grossflächig ausdehnt und zentral abblasst (Erythema chronicum migrans).
    Gelegentlich kommt es zusätzlich zu Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und allgemeinem Krankheitsgefühl. Die Abheilung erfolgt innerhalb spätestens zehn Wochen mit oder ohne Elimination des Erregers. Kann das körpereigene Abwehrsystem den Erreger nicht erfolgreich eliminieren, kommt es nach Monaten zum zweiten Stadium der Erkrankung. Dabei dominieren rheumatologische Krankheiten wie beispielsweise Gelenkentzündungen, Muskelschmerzen, Herzmuskelentzündungen oder  Herzbeutelentzündung. Gelegentlich kommen auch neurologische Krankheitsmanifestationen vor wie Hirnhautentzündung oder Nervenwurzelentzündungen verbunden mit Lähmungen, besonders im Bereich der Gesichtsmuskulatur. Im dritten Stadium kommt es dann zur Chronifizierung mit Befall von mehreren Organen.

Vorbeugende Massnahmen

  • Zecken stechen schmerzlos und bleiben deshalb oft lange unentdeckt. Der Körper sollte nach Waldausflügen, Picknick, aber auch Gartenarbeiten, gründlich nach Zecken abgesucht werden.

  • Beim Aufenthalt in der Natur am besten geschlossene Kleidung und Schuhwerk anziehen.

  • Vermeiden Sie wenn möglich den unmittelbaren Kontakt mit Sträuchern, Gebüschen oder hohem Gras

  • FSME-Impfung: Dabei handelt es sich um einen “Totimpfstoff“, der abgetötete FSME-Viren enthält, und am besten während den Wintermonaten in drei Teildosen am Oberarm injiziert wird. Weitere Informationen: http://www.bernabiotech.ch/de/impfen/fsme/faq/

Entfernung

Zur Entfernung des Parasiten eignet sich eine feine spitze Pinzette. Diese wird möglichst nahe an der Haut um den eingestochenen Saugfortsatz bzw. „Kopf“ der Zecke herum geschlossen und langsam – nicht ruckartig – aus der Haut herausgezogen. Drehbewegungen sind dabei nicht nötig. Ebenfalls sollte die Vorbehandlung mit Substanzen wie Desinfektionsmittel, Oel, Benzin etc. unterlassen werden. Erst nach der vollständigen Entfernung der Zecke sollte die Stichstelle sorgfältig desinfiziert werden. Da sich die FSME-Viren in den Speicheldrüsen der Zecke aufhalten und ca. innerhalb einer Stunde in die Blutbahn gelangen, kann durch die frühzeitige Entfernung der Zecke kaum jemals die Infektion mit FSME-Viren verhindert werden. Die Borrelien-Bakterien hingegen halten sich im Zeckendarm auf und benötigen nach dem Einstich ca. 24 – 48 Stunden, um von dort via Speicheldrüsen in den menschlichen Körper zu gelangen. Durch die frühzeitige Entfernung des Parasiten kann also oft eine Infektion mit Borrelien-Bakterien verhindert werden.

Behandlung

  • FSME: Da bei der durch die FSME-Viren bedingten Meningitis/Encephalitis keine spezifischen Therapien oder Medikamente bekannt sind, kann man nur versuchen, die Symptome zu lindern. Es ist daher besonders wichtig, Infektionen von vorneherein zu verhindern.
  • Lyme-Borreliose: In jedem Stadium der Krankheit ist die konsequente Behandlung mit Antibiotika notwendig. Im Gegensatz zur FSME-Erkrankung gibt es zur Vorbeugung der Lyme-Borreliose zur Zeit keinen Impfstoff.

Weitere Informationen:

Verbreitungsgebiete: Bitte hier klicken!

Bundesamt für Gesundheit: http://www.bag.admin.ch/infekt/publ/wissenschaft/d/

Weitere Infos: http://www.zecken.ch/

 

zurück Beitrag von Dr. med. Stephan Galli, Hausarzt, Hölstein