Gesundheitsratgeber


30. November 2005

Der verstauchte Fuss

 

Freitag abend 21.00 Uhr in der Turnstunde:

Plötzlich machen Sie einen Fehltritt, es knackst spürbar im Gelenk. Es wird Ihnen fast übel und innert Minuten zeigt sich eine Schwellung über dem Aussenknöchel.

Sie bekommen von Ihren Kameradinnen sofort Hilfe und gute Ratschläge. Es setzt eine lebhafte Diskussion ein über das Vorgehen:

  1. Hochlagern, kühle Umschläge machen, morgen zum Hausarzt
  2. Sofort zum Hausarzt (oder dessen Vertretung)
  3. Sofort auf die Notfallstation des Kantonsspitals Liestal

Lösung 1 und 2 sind vertretbar, da meist eine Verletzung der Bänder vorliegt und man auch über Nacht warten kann. Es ist aber verständlich, wenn sich Patienten abends noch melden angesichts starker Schmerzen und wenn keine Schmerzmittel, Krücken und dergleichen zu Hause vorhanden sind.

Die Notfallstation des Spitals muss nicht beansprucht werden!

 

Der Hausarzt wird also in aller Regel (aber nicht zwingend) ein Röntgenbild anfertigen, um einen Knöchelbruch auszuschliessen (je nach Typ Fraktur ist eine Operation notwendig). Wenn sich keine Knochenverletzung zeigt, wird das Gelenk ruhig gestellt mit einer Binde, Schiene oder Gelenkstütze. Interessanterweise spielt die Art der Ruhigstellung eine untergeordnete Rolle. Bandverletzungen werden heutzutage nicht mehr operiert, da 95 von 100 Verletzungen mit einem guten Ergebnis ausheilen. Bei den wenigen unbefriedigenden Verläufen (Schlottergelenk) wird – sofern auch die stärkende Physiotherapie keine Stabilisierung bringt – das Band mit einer körpereigenen Sehne rekonstruiert.

 

Abhängig vom Schweregrad der Verletzung (Schwellung, Schmerz etc.) wird der Fuss etwa eine Woche lang an Stöcken entlastet, wobei leichtes Draufstehen erlaubt ist. Dann kann der normale Gang wieder vorsichtig aufgenommen werden und es erfolgt die sogenannte „funktionelle“ Nachbehandlung. Das bedeutet, dass der Patient so gut belastet, wie es eben geht und nach und nach seinen gewohnten Gang wieder aufnimmt. Als Faustregel gilt eine Heilungszeit von ca. 6 Wochen, während der die Gelenkstütze oder Bandage noch getragen wird, während der ersten drei Wochen eventuell auch nachts. Schmerzmittel braucht es nur zu Beginn. Salben und Gel's sind beliebt, ihre Wirkung für das Endresultat jedoch kaum von Bedeutung.

Zur Arbeitsunfähigkeit: im Büro einige Tage, als Handwerker 2-3 Wochen (je nach Verlauf ist manchmal ein Spezialschuh nötig).

 

zurück Beitrag von Dr. med. Edy Riesen, Hausarzt, Ziefen