Gesundheitsratgeber


10. Juli 2006

Rund um Schwangerschaftsverhütung = Kontrazeption = Antikonzeption

 

In der Schweiz verhüten 40% aller Frauen im gebärfähigen Alter mit der Pille. Über den Magendarmtrakt werden dabei die beiden weiblichen Hormone (Oestrogen und Gestagen) in den Blutkreislauf eingeschleust. Diese verhindern die monatliche Eireifung. Ein Eisprung (= Ovulation) findet bei diesen Frauen nicht statt Diese Pillen werden in der Medizinersprache deshalb Ovulationshemmer genannt.

Die Einnahme erfolgt täglich über 3 Wochen. Dann folgt eine einwöchige Einnahmepause, in der 3 bis 4 Tage nach der letzten Pilleneinnahme die Monatsblutung (= Menstruation = Mens) einsetzt. Auch in dieser 7-tägigen Pillenpause ist die Frau vor einer Schwangerschaft geschützt.

Da die Hormonzufuhr auch Risiken birgt, speziell bei Raucherinnen und Frauen, bei denen in der Familie eine Blutgerinnungsneigung besteht, ist die Pille rezeptpflichtig, d.h., ein Arzt/eine Ärztin muss sie verschreiben. Dies beinhaltet eine vorgängige medizinische Kontrolle, eine Risikobeurteilung und schliesslich die Auswahl eines geeigneten Präparates. Es besteht heute eine grosse Auswahl an Ovulationshemmern.

Wichtig bei der Verhütung ist: Hohe Sicherheit bezüglich Schutz vor Schwangerschaft, Risikominimierung und möglichst fehlende Nebenwirkungen (z.B. Gewichtszunahme). Bei wirklich regelmässiger Einnahme ist die Sicherheit der Verhütung mit der Pille gross. Der Zeitpunkt der Monatsblutung ist im Voraus bekannt. Stärke und Schmerzhaftigkeit der Mens sind meist vermindert. Nach Rücksprache mit dem Arzt/Ärztin oder vorgängiger In­struktion kann der Zeitpunkt der Blutung verlegt werden. Bei schweren Monatsbeschwerden sind auch so genannte Langzyklen möglich. Dabei wird die Pille ohne Unterbruch über 3 Monate eingenommen und erst dann eine 7-tägige Pause eingelegt.

 

Nebst der beschriebenen klassischen Pille gibt es eine Reihe weiterer hormoneller Verhütungsmethoden:

Nuva-Ring: Ein Plastikring von 54mm Durchmesser wird in die Scheide eingeführt und 3 Wochen da belassen. Er gibt kontinuierlich die beiden Hormone Oestrogen und Gestagen in kleinen Dosen ab. Diese gelangen über die Scheidenwand in den Blutkreislauf. Auch bei dieser Methode werden Eireifung und Eisprung gehemmt. In der 4.Woche (=Ringpause) setzt nach wenigen Tagen eine Blutung gleich wie bei der Pille ein. Dann wird ein neuer Nuva-Ring eingesetzt.

Vorteile: geringere Hormonmengen im Blut, das tägliche „an die Pille denken“ entfällt. Gute Instruktion ist Voraussetzung. Den Ring in die Scheide einzuführen ist keine Hexerei. Wer ein Tampon einführen kann, dem gelingt auch dies.

 

Evra, das Hormonpflaster: Es wird ein 4,5 x 4,5cm grosses, durchsichtiges Pflaster auf die Haut (Bauch, Aussenseite Oberarm, Oberkörper oder Gesäss) aufgeklebt. Übern die Haut gelangen die im Pflaster enthaltenen Hormone in den Blutkreislauf. Nach 7 Tagen, immer am gleichen Wochentag, wird das Verhütungspflaster ausgetauscht. Nach der dritten Woche folgt eine  einwöchige Pflasterpause, in der eine Blutung nach 3 bis 4 Tagen einsetzt.

Vorteile: regelmässige Hormonspiegel im Blut. Man muss nur einmal pro Woche an die Verhütung denken.

Nachteile: Bei übergewichtigen Frauen (über 90kg) reicht die Hormonmenge nicht mehr aus, eine Ovulation zu verhindern.

 

 

 

Mirena, die Hormonspirale: In die Gebärmutter wird durch den Arzt/die Ärztin ein Plastikstäbchen eingelegt, das kontinuierlich über 5 Jahre kleine Mengen des Hormons Gestagen abgibt. Auch mit dieser Methode wird Eireifung und Eisprung verhindert. Da die Wirkung des Hormons auch den Schleimpropf im Gebärmutterhals eindickt, kommt es zu einer zusätzlichen Barriere gegen aufsteigende Spermien aber auch Bakterien (infektionshemmend). Es ist die einzige Spirale, die man jungen Frauen, die noch nie geboren haben, einlegen darf. Da nur das eine der beiden weiblichen Hormone abgegeben wird, ist es auch bei gewissen Risikosituationen (z.B. erhöhte Gerinnungsneigung) zugelassen. Aus dem gleichen Grund kommt es anfangs oft zu tage- bis wochendauernden Schmierblutungen und im weiteren Verlauf meist zu einem völligen Ausbleiben der Mens.

Die Kupferspirale: Sie ist ein reines Kupfer-Plastikstäbchen. Es enthält keine Hormone, Eireifung und Eisprung werden nicht verhindert. Was nicht mehr stattfinden kann, ist die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter. Die Verhütungssicherheit ist daher etwas geringer als bei den hormonellen Methoden.

Vorteil: die kostengünstigste Verhütung. Man muss nicht mehr dran denken.

Implanon: ist ein weiteres hormonabgebendes Stäbchen. Es wird am Oberarm unter die Haut „gestochen“ (kleiner Hautschnitt) und verbleibt 3 Jahre da. Wie die Mirena gibt Implanon nur Gestagen ab. Das Ausbleiben  der Mens ist der Idealfall, Schmierblutungen können aber über längere Zeit auftreten und sehr lästig sein.

 

 

 

Andere Verhütungsmethoden wie Urinkontrollapparate, die Kalendermethode und Scheidentemperaturkontrolle, die Angaben über die fruchtbaren Tage machen, sowie der „Koitus interruptus“(Penis raus vor dem Samenerguss), sind alle äusserst unsichere Verhütungsmethoden.

Zum Schluss ein Plädoyer für das gute, alte Kondom: es ist eine sichere Verhütungsmethode, die korrekte Handhabung vorausgesetzt. Es erreicht aber nie die gleich hohen Verhütungsquoten wie die hormonalen, oben genannten Alternativen. Aber, und das ist sehr wichtig, es ist und bleibt der einzig sichere Schutz vor Infektionen (HIViren, Hepatitis B und C Viren, Herpesviren etc.)

Deshalb im Zweifelsfall trotz Pille, Spirale, Pflaster … bei junger Bekanntschaft, während der man den Partner und seine Vorgeschichte erst bruchstückhaft kennt: zusätzlich Kondom benutzen! Und wenn doch einmal etwas schief läuft: Situation mit Arzt/Ärztin besprechen.

Es gibt noch die Möglichkeit der ‚Pille danach’: Einnahme bis 48 (ev. 72) Std. nach der „Panne“ beim Geschlechtsverkehr. Je früher die gleichzeitige Einnahme der beiden Tabletten (NorLevo), desto höher die erfolgreiche Verhütung. Eine Nachtkonsultation beim Arzt ist dabei nicht nötig, aber am nächsten Morgen sollte man sich melden. 

Weitere Informationen finden Sie unter

http://www.verhuetungsinfo.ch/

http://www.mirena.ch/upload/docs/PDF/Verhtung_A5quer_deutsch_Fi.pdf

 
zurück Beitrag von Dr. med. Regula Zimak, Hausärztin, Reigoldswil