Gesundheitsratgeber


08. Mai 2006

Krampfadern - die häufigste Gefässerkrankung

 

Auftreten und Verbreitung

Das Auftreten von Krampfadern oder Varizen ist  die häufigste Gefässerkrankung überhaupt. Dabei sind die Frauen häufiger betroffen als die Männer. Die Beschwerden sind je nach Ausdehnung und Ursache der Erkrankung unterschiedlich. Man kann von einer eigentlichen Volkskrankheit sprechen. Das Wort "Krampfader" stammt übrigens aus dem Althochdeutschen und bedeutet ursprünglich krumme Ader. 

 

Doch was sind eigentlich Varizen? 

Um das zu erklären, ist ein kurzer Exkurs in die Anatomie notwendig. Venen transportieren das verbrauchte Blut von den Beinen, aber natürlich auch von allen anderen Organen zum Herzen zurück. Venenklappen, die wie Ventile funktionieren, verhindern, dass das Blut in den Venen ins Bein zurückfliessen kann. Wenn die Venenklappen ihre Funktion verlieren, wird der Druck auf die Venenwände  stetig grösser. Dadurch es kommt zu einer zunehmenden Ausweitung der Vene. Sie tritt als geschlängelte und prall gefüllte Krampfader in Erscheinung. 

Durch die Störung des Blutrückflusses in diesen oberflächennahen Venen kommt es zu einer stehenden Blutsäule. Das umliegende Gewebe entnimmt dem Blut Nährstoffe und Sauerstoff solange der Vorrat reicht. Danach entsteht eine örtliche Übersäuerung und Sauerstoffarmut des Blutes, was nicht nur zu Hauternährungsstörungen, sondern auch zu einer Stoffwechselbelastung des Gesamtorganismus führt. Die ersten Symptome sind schwere, müde Beine, abendliche Knöchelschwellungen und Wadenkrämpfe.

Durch die zunehmend schlechte Blutzirkulation kommt es an den stark exponierten Hautstellen zu Schmerzen und Entzündungen und, falls die Krankheit nicht behandelt wird, zu offenen Beinen. Varizen sind also nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern können, wenn fortgeschritten, eine ernsthafte Erkrankung sein.

 

Damit Varizen entstehen können, ist eine gewisse Veranlagung, zum Beispiel eine Bindegewebsschwäche Voraussetzung. Durch Bewegungsmangel, Übergewicht, sitzende Tätigkeiten, aber auch Schwangerschaften wird das Problem noch verstärkt.

 

 

Diagnose

Meistens ist den betroffenen Patientinnen und Patienten die Diagnose schon klar, bevor sie den Arzt aufsuchen, da die Varizen die oben genannten typischen Beschwerden verursachen, aber auch kosmetisch stark stören. Nicht selten jedoch haben die Patienten venöse Beschwerden, ohne dass Krampfadern sichtbar sind.

Eine fachärztliche Abklärung ist deshalb angezeigt. Dadurch kann die Diagnose gesichert und, wenn notwendig, eine geeignete Therapie verordnet werden. Neben der gründlichen klinischen Untersuchung wird häufig auch eine Ultraschalluntersuchung angeschlossen, um Ausdehnung und Verlauf der Varizen genau dokumentieren zu können.

Klicken Sie auf das Bild oder hier zum Anzeigen des Ultraschall-Videos (Voraussetzung: Quicktime oder Realplayer oder Windows Mediaplayer).

 

 

Behandlungsmöglichkeiten

Eine regelmässige körperliche Betätigung, gesunde Ernährung und eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht, sollten immer in Betracht gezogen werden.

Das Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen ist eine sehr effektive Behandlung der Venen und kann, falls regelmässig angewendet, das Fortschreiten der Venenerkrankung aufhalten. Medikamente zur Verbesserung des venösen und lymphatischen Abflusses sind während der warmen Jahreszeit sehr hilfreich.

Feine, vor allem kosmetisch störende Varizen, sogenannte Besenreiservarizen können mittels Verödung meistens mit gutem Resultat behandelt werden. Für sehr feine rötliche Venengeflechte kann auch die Laserbehandlung zum Erfolg führen.

 

Grössere Varizen sollten wenn möglich operativ angegangen werden, vor allem wenn sich bereits Folgeschäden wie Hautveränderung oder Venenentzündungen ergeben haben. Durch die Ultraschall kontrollierte Lokalisation der Varizen ist es dem Chirurgen möglich, die krankhaften Venen vollständig und schonen zu entfernen.

 

 

 

Wichtige Fortschritte im Erkennen und Behandeln der Varizen wurden in den letzten Jahren erreicht. Dies zeigt sich in einem markanten Rückgang von schweren Folgeschäden wie offenen Beinen, Venenentzündungen und chronischen Beinschmerzen.

Zögern Sie deshalb nicht Ihren Hausarzt um Rat zu fragen.

zurück Beitrag von Dr. med. Jürg Jutzi, Hausarzt, Bubendorf