Gesundheitsratgeber


15. August 2006

Zuckerkrankheit - Diabetes mellitus

 

Diabetes mellitus (kurz: Diabetes) ist eine chronische Stoffwechselkrankheit. Ein überhöhter Blutzuckerspiegel stellt ihr Hauptmerkmal dar. Ursache der Erkrankung ist meist ein Mangel am Hormon Insulin und/oder eine verminderte Fähigkeit des Körpers, auf dieses Hormon zu reagieren. Insulin hat die Aufgabe, den im Blut befindlichen Zucker- oder Glukose-Molekülen den Weg in die Körperzellen zu öffnen. Glukose ist die Haupt-Energiequelle der meisten menschlichen Organe.

In früheren Jahrhunderten erkannten die Ärzte die Krankheit am süssen Urin-Geschmack. Fiel der Geschmackstest positiv aus und war der Harnfluss darüber hinaus erhöht, sprachen die Heilkundigen des Mittelalters vom "Diabetes mellitus", was so viel wie "honigsüsser Durchfluss" bedeutet. Nach wie vor zählt die Zuckerausscheidung über den Urin zu den charakteristischsten Symptomen der Erkrankung.

Symptome und Diagnose:

Eine der Hauptschwierigkeiten bei der Zuckerkrankheit ist, dass sie oft lange unentdeckt bleibt, da die Beschwerden zunächst nicht offensichtlich sind. Dabei ist die Früherkennung besonders wichtig für eine erfolgreiche Behandlung. Ein erster Hinweis auf Diabetes können folgende Anzeichen sein:
  • Uebermässiger Durst

  • Chronische Müdigkeit, Abgeschlagenheit

  • Häufiges Wasserlassen

  • Unerklärliche Gewichtsabnahme (Typ 1)

  • Gefühlsstörungen, Kribbeln in Armen oder Beinen, Juckreiz

  • Sehstörungen, verschwommenes Sehen

Wenn Sie regelmässig an einem dieser Symptome leiden, sollten Sie Ihren Blutzucker messen lassen.

Formen und Behandlung:

Je nach Ursache wird die Krankheit in verschiedene Typen eingeteilt:

Diabetes Typ 1: Diese Form von Diabetes wurde früher auch als juveniler Diabetes bezeichnet. Denn der Typ-1-Diabetes tritt in der Regel bei Kindern und jungen Erwachsenen auf. Er entsteht durch eine Zerstörung der Insulin-produzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Dadurch kommt es zu einem Insulinmangel. Man geht davon aus, dass es sich bei dieser Form des Diabetes um eine Autoimmunkrankheit handelt, die durch bestimmte Erbfaktoren und Viruserkrankungen begünstigt wird. Die Behandlung erfolgt durch Zuführen von Insulin.

Diabetes Typ 2: Von dieser Form des Diabetes sind rund 95 Prozent aller Diabetiker betroffen. Der Diabetes Typ 2 wurde früher auch als «nicht insulinabhängiger Diabetes» oder «Altersdiabetes» bezeichnet. Die Ursache wird zum einen in einer erblichen Veranlagung, zum anderen bei Übergewicht und Bewegungsmangel gesehen. Dabei nimmt die Wirksamkeit von Insulin stetig ab, bis es zur Insulinresistenz kommt. Heute findet sich diese Form des Diabetes zunehmend bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Die Basis der Behandlung des Typ-2-Diabetes sind eine Ernährungsumstellung, eine Gewichtsnormalisierung und regelmässige körperliche Bewegung. Erst wenn diese Massnahmen nicht helfen, werden Medikamente und später auch Insulin eingesetzt.

Schwangerschaftsdiabetes: Bei 5 bis 10 Prozent der Schwangeren tritt der so genannte Gestationsdiabetes auf. Wird dieser rechtzeitig erkannt, können Komplikationen weitgehend vermieden werden. Der Gestationsdiabetes ist eine vorübergehende Zuckertoleranzstörung, die nach der Schwangerschaft meist wieder verschwindet. Lediglich 9 Prozent der Frauen, die während einer Schwangerschaft an dieser Form des Diabetes leiden, entwickeln in den folgenden Jahren einen Typ-2-Diabetes. Bringt eine Ernährungsumstellung keinen ausreichenden Erfolg, wird der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt.

Eine lebenslange, sorgfältige Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um Spätschäden zu verhindern, die im Wesentlichen durch Veränderungen der Blutgefässe hervorgerufen werden. Zu solchen Spätschäden gehören Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine und Füsse, Veränderungen der Netzhaut, die zum Erblinden führen können, Störungen der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen und Erektionsstörungen. Durch Zucker-Schäden an den Nerven können ein Taubheitsgefühl und Gefühlsstörungen auftreten.

Diabetes ist zwar nicht heilbar in dem Sinne, dass die Erkrankung vollkommen verschwindet, mit guter Blutzuckerkontrolle und bewusster selbstverantwortlicher Lebensführung kann jedoch ein praktisch beschwerdefreies und normales Leben geführt werden.

Vorbeugung:

In der Schweiz sind rund 5 Prozent der Bevölkerung an Diabetes erkrankt, leider mit zunehmender Tendenz! Weitaus die Mehrheit der Erkrankten hat Diabetes Typ 2, die vielfach durch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung verursacht wird:

  • Übergewicht und/oder ungesunde Ernährung
    Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass zu hoher Zuckerkonsum zu Diabetes führt, ist vor allem die übermässige Fettzufuhr die Ursache. Im Durchschnitt konsumiert der/die SchweizerIn doppelt soviel Fett wie empfohlen wird. Es ist deshalb sehr wichtig, in erster Linie den Fettkonsum zu reduzieren. Dabei wird heutzutage keine Diät vorgeschrieben, sondern eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Hier helfen die nützlichen Tipps und Hinweise der Stiftung Ernährung Diabetes Bern: www.diabetes-ernaehrung.ch

  • Mangelnde Bewegung
    Die körperliche Bewegung - sowohl in der Vorbeugung wie auch in der Behandlung spielt eine wichtige Rolle. Schon eine kleine Zeitinvestition von 20 Minuten täglich (z.B. zügiges Gehen - es ist absolut kein Spitzensport nötig) führt zu einer deutlichen Verbesserung. Hier finden Sie Informationen darüber, wie Sie durch einen aktiven Lebensstil Diabetes vorbeugen können www.actiond.ch

Ebenso finden Sie auf der Website der Schweiz. Diabetes-Gesellschaft www.diabetesgesellschaft.ch vielfältige Informationen zum Thema.

 

zurück Beitrag von Dr. med. Cosette Stoercklé Buser, Hausärtzin, Reigoldswil